Paris – 02.09.2026: Die französische Abgeordnete Clémence Guetté von La France insoumise will Freundschaften stärker im Recht verankern. In ihrem am 27. August erschienenen Buch "Für eine Politik der Freundschaft" wirbt sie dafür, selbst gewählte Bindungen neben Ehe, eingetragener Partnerschaft und Verwandtschaft anzuerkennen. Franceinfo berichtete am 1. September über die Vorschläge.
Guetté sieht eine Lücke zwischen der gesellschaftlichen Wirklichkeit und den Kategorien des Sozial- und Arbeitsrechts. Viele Menschen organisierten ihren Alltag, gegenseitige Hilfe oder Fürsorge gemeinsam mit engen Freunden. Rechtliche Ansprüche knüpften jedoch überwiegend an Ehe, den zivilen Solidaritätspakt Pacs, einen gemeinsamen Haushalt oder familiäre Abstammung an. Diese Ordnung will Guetté nicht ersetzen, sondern um anerkannte Formen der Wahlverwandtschaft ergänzen.
Zu ihren Vorschlägen gehört eine Freistellung bei schwerer Erkrankung oder Tod eines engen Freundes. Das französische Arbeitsrecht gewährt bezahlten Sonderurlaub unter anderem bei einer Heirat, dem Abschluss eines Pacs und bei Todesfällen in der Familie. Die Zahl der freien Tage richtet sich dabei nach dem jeweiligen Anlass und dem Verwandtschaftsgrad. Für den Tod eines Freundes besteht im allgemeinen gesetzlichen System kein vergleichbarer Anspruch.
Guetté bringt zudem einen freundschaftlichen Partnerschaftsvertrag ins Gespräch. Anders als der Pacs soll er weder eine Liebesbeziehung noch gemeinsames Wohnen voraussetzen. Er könnte Menschen offenstehen, die dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen wollen. Wie ein solcher Vertrag geschlossen und beendet würde und welche Rechte oder Pflichten daraus entstünden, ist bislang nicht ausgearbeitet. Auch ein konkreter Gesetzestext liegt nicht vor.
Ein weiterer Teil ihres Konzepts betrifft gemeinschaftliches Wohnen. Guetté wirbt für Modelle, in denen Freunde langfristig zusammenleben und einander unterstützen können. Damit berührt sie Fragen des Mietrechts, der Besteuerung gemeinsamer Haushalte und der sozialrechtlichen Behandlung von Pflege- und Unterstützungsleistungen. Viele dieser Regeln orientieren sich bislang an Paaren, Familien oder gewöhnlichen Wohngemeinschaften.
Politisch verbindet Guetté das Thema mit ihrer Kritik an sozialer Vereinzelung und der bevorzugten Stellung der Kleinfamilie in staatlichen Regelwerken. Das Buch ist ein programmatischer Beitrag, keine bereits in die Nationalversammlung eingebrachte Gesetzesinitiative. Als Abgeordnete und Vizepräsidentin der Nationalversammlung besitzt sie jedoch eine parlamentarische Plattform für ihre Forderungen.
Eine gesetzliche Anerkennung enger Freundschaften müsste vor allem klare Grenzen ziehen. Ehe und Pacs beruhen auf registrierten Rechtsakten; bei Freundschaften wären Dauer, Verbindlichkeit und Auflösung eigens zu bestimmen. Solche Kriterien wären etwa nötig, um Ansprüche auf arbeitsrechtliche Freistellungen nachvollziehbar zu regeln. Guettés bislang veröffentlichte Vorschläge lassen diese praktischen Fragen offen.
Quellen
- Franceinfo
- Éditions La Découverte
- Service-Public.fr
- Assemblée nationale
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).