Heute in der Geschichte

3. September: Frankreich tritt in den Zweiten Weltkrieg ein

Am 3. September 1939 erklärte Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Der Tag markierte den Bruch mit einer Politik des Nachgebens und eröffnete einen Konflikt, dessen Folgen Frankreich, Europa und die Welt dauerhaft prägten.

Der 3. September 1939 begann in Frankreich nicht mit Kanonendonner, sondern mit einer Erklärung. Um 17 Uhr teilte Ministerpräsident Edouard Daladier dem Land im Radio mit, Frankreich befinde sich im Krieg mit dem Deutschen Reich. Zwei Tage zuvor hatte Hitlers Wehrmacht Polen überfallen. Ein französisch-polnischer Beistandspakt verpflichtete Paris zum Handeln; ein Ultimatum an Berlin blieb ohne Antwort. So endete ein Sonntag mit einer Nachricht, die Millionen Familien sofort begriffen: Die Geschichte hatte erneut an die Tür geklopft – und diesmal ziemlich laut.

Großbritannien hatte Deutschland bereits um 11 Uhr den Krieg erklärt. Australien und Neuseeland folgten noch am selben Tag. Der regionale Angriff auf Polen weitete sich damit zum europäischen Krieg aus, aus dem rasch ein Weltkrieg hervorging. Frankreich handelte nicht aus Begeisterung. Das Land trug die Erinnerung an die Massengräber des Ersten Weltkriegs in sich. Viele Veteranen lebten noch, viele Eltern kannten den Verlust eines Sohnes, Bruders oder Mannes. Der Frieden von 1918 lag gerade einmal 21 Jahre zurück.

Daladiers Stimme klang deshalb nüchtern und schwer. Frankreichs Führung hatte fast ein Jahr lang versucht, Hitler durch Zugeständnisse einzudämmen. Das Münchner Abkommen vom September 1938 hatte die Abtretung des tschechoslowakischen Sudetenlands ermöglicht. In Paris und London hofften viele Politiker, der Krieg lasse sich so vermeiden. Als deutsche Truppen im März 1939 auch den Rest Böhmens und Mährens besetzten, zerfiel diese Hoffnung. Der Überfall auf Polen zeigte schließlich: Die Forderungen des NS-Regimes kannten keinen letzten Preis.

Am 3. September fiel daher eine Entscheidung, die zugleich Pflicht und Eingeständnis war. Pflicht gegenüber Polen und gegenüber dem eigenen Wort. Eingeständnis, dass Diplomatie ohne glaubwürdige Grenzen zur Einladung für weitere Gewalt geraten konnte. Wer wollte nach Prag und Warschau noch behaupten, Hitler lasse sich mit einer weiteren Unterschrift beruhigen?

Für Frankreich begann der Krieg allerdings seltsam still. An der deutsch-französischen Grenze standen große Armeen einander gegenüber, geschützt durch Befestigungen, besonders durch die Maginot-Linie. Frankreichs Truppen unternahmen im Saargebiet einen begrenzten Vorstoß, doch eine entschlossene Entlastung Polens blieb aus. Während Polen unter deutschem Angriff zusammenbrach und ab dem 17. September auch die Sowjetunion von Osten einmarschierte, warteten viele französische Soldaten auf einen Krieg, der noch nicht wie Krieg aussah. Diese Monate erhielten später den Namen "drôle de guerre" – der seltsame Krieg.

Seltsam war daran vor allem die Mischung aus Mobilisierung und Alltag. Männer zogen ein, Schulen passten ihren Betrieb an, Familien schrieben Briefe an die Front. Zugleich blieben Cafes geöffnet, Züge fuhren, Zeitungen erschienen. Es war eine unheimliche Pause. Wie bei einem Gewitter, das längst über dem Haus steht, aber seinen ersten Schlag noch zurückhält. Die französische Gesellschaft wusste, dass Gefahr drohte, doch kaum jemand ahnte die Geschwindigkeit der kommenden Katastrophe.

Am 10. Mai 1940 begann die deutsche Offensive im Westen. Der Angriff führte über die Niederlande, Belgien und Luxemburg; deutsche Panzerverbände durchbrachen die französische Front bei Sedan. Die militärische Planung Frankreichs hatte mit einem Hauptstoß durch die dicht bewaldeten Ardennen kaum gerechnet. Was vorher als Schutz galt, erwies sich plötzlich als Falle. In wenigen Wochen brach die Front zusammen, Millionen Zivilisten flohen nach Süden, Paris wurde am 14. Juni zur offenen Stadt erklärt. Der Waffenstillstand mit Deutschland folgte am 22. Juni 1940.

Der 3. September 1939 trägt darum zwei gegensätzliche Wahrheiten in sich. Frankreich nahm eine notwendige Verpflichtung ernst, war aber auf den Krieg, der folgte, strategisch und politisch nur unzureichend vorbereitet. Mut und Vorbereitung sind eben keine Zwillinge. Der Satz klingt fast banal, kostete damals jedoch ein Land seine Sicherheit, seine staatliche Souveränität und zahllose Menschen ihr Leben.

Die Niederlage brachte Besatzung, das Vichy-Regime, Kollaboration, Verfolgung und Deportationen. Sie brachte aber auch Widerstand. Frankreichs Geschichte zwischen 1940 und 1944 besteht weder nur aus Schande noch nur aus Heldentum. Sie besteht aus schwierigen Entscheidungen unter Gewalt, aus Anpassung und Verweigerung, aus Verrat und Zivilcourage. Gerade deshalb bleibt der 3. September mehr als ein Datum militärischer Chronologie: Er markiert den Moment, an dem die französische Republik in eine Prüfung trat, die ihre Institutionen und ihr Selbstbild tief erschütterte.

Eine Verbindung zu einem weiteren 3. September liegt 156 Jahre zurück. Am 3. September 1783 regelten Friedensverträge in Paris und Versailles das Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Großbritannien erkannte die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten an; Frankreich erhielt unter anderem Saint-Pierre und Miquelon zurück und sicherte Rechte seiner Fischer vor Neufundland. Frankreich hatte die amerikanischen Aufständischen gegen London unterstützt und trug einen erheblichen Teil der finanziellen Last. Der Erfolg stärkte zwar französisches Prestige, verschärfte aber die Schuldenkrise der Monarchie – ein Baustein auf dem Weg zur Revolution von 1789.

Beide 3. September erzählen somit von Bündnissen, deren Preis erst später sichtbar wird. 1783 half Frankreich, eine neue Republik jenseits des Atlantiks abzusichern, und belastete dabei seine eigene Monarchie. 1939 erfüllte Frankreich seine Zusage an Polen, obwohl viele im Land einen neuen Krieg fürchteten. Bündnisse wirken auf Papier oft wie trockene Zeilen zwischen Siegeln. Im Ernstfall entscheiden sie über Grenzen, Leben und politische Glaubwürdigkeit.

Aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs entstand eine andere französische Lehre: Sicherheit in Europa sollte nicht länger allein auf Abschreckung zwischen Nationalstaaten beruhen. Die Annäherung Frankreichs und Deutschlands, die europäische Zusammenarbeit und gemeinsame Institutionen folgten auch aus der Erfahrung von 1939 und 1940. Am 9. Mai 1945 unterzeichnete General Jean de Lattre de Tassigny für Frankreich in Berlin die deutsche Kapitulation – als Vertreter eines Landes, das sechs Jahre zuvor in den Krieg eingetreten war und sich seinen Platz unter den Siegern zurückerkämpft hatte.

Quellen

  • Chemins de memoire: La drole de guerre 1939-1940
  • Office of the Historian: Treaty of Paris, 1783
  • Chemins de memoire: Jean de Lattre de Tassigny
  • Office of the Historian: Versailler Vereinbarungen vom 3. September 1783

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels

Geräteansicht